Nach vielen Jahren mit Uwe Gross steht bei unseren Herren zur neuen Saison ein Wechsel auf der Trainerbank an. Mit Torsten Frohn als Cheftrainer und Gordon Batke als Co-Trainer konnten wir zwei engagierte Trainer vom TV Schriesheim gewinnen, die großen Wert auf Mannschaftsgeist und Zusammenhalt legen. Wir haben die beiden zu ihren ersten Eindrücken, ihren Vorstellungen und den Zielen für die neue Saison befragt.
Hallo ihr zwei – herzlich willkommen in Ilvesheim! Ihr kennt die Ilvesheimer Herren bereits aus der vergangenen Saison als Gegner. Wie habt ihr die Mannschaft damals wahrgenommen – und wie hat sich euer Eindruck in der Vorbereitung verändert?
Torsten: Danke. Ich war überrascht, dass das Team im Laufe der Rückrunde die Leistung aus den vorhergehenden Spielen nicht halten konnte und in der Tabelle abgerutscht ist. Vor der Saison hatte ich die Mannschaft weiter oben erwartet. Schon beim ersten Spiel auf unserem eigenen Turnier sagte ich zu Gordon: „Wow, warum hat das Team die Leistung zum Ende der abgelaufenen Runde nicht zeigen können?“ Nach vielen Gesprächen wurde klar, dass durch anhaltendes Verletzungspech der Kader sehr dünn war und weitere Ausfälle nicht kompensiert werden konnten.
Gordon: Danke. Ich kenne Ilvesheim auch noch als Gegner aus meiner aktiven Zeit. Letzte Runde hatten wir hier ein für uns ernüchterndes Spiel. Es waren immer sehr unangenehme Spiele. Daher kann ich Torstens Gedanken gut nachvollziehen. Wir übernehmen hier eine Mannschaft, die sehr viel Potenzial hat.
Wie kam es dazu, dass ihr vom TV Schriesheim nach Ilvesheim gewechselt habt? Was hat euch an der Aufgabe besonders gereizt?
Torsten: Ich durfte in Schriesheim zwei tolle und prägende Jahre erleben und bin dem TV Schriesheim dankbar für das Vertrauen und die Unterstützung. Nach dem Aufstieg war es aber Zeit für etwas Neues. Man soll ja schließlich gehen, wenn es am schönsten ist. Ich beobachte den Handballsport bei der SpVgg Ilvesheim schon seit einigen Jahren und bin begeistert von der familiären Atmosphäre. In den Gesprächen mit Silke und Christian wurde mein Eindruck bestätigt und ich musste nicht lange überlegen, um meine Zusage zu geben.
Gordon: Für mich persönlich war es keine einfache Entscheidung nach so langer Zeit in Schriesheim. Torsten kam im Laufe der Rückrunde auf mich zu und sagte, dass er in Gesprächen mit einem anderen Verein ist. Er machte aber auch sehr deutlich, dass er den Schritt nur mit mir an seiner Seite gehen wird, was mich riesig gefreut hat. Der Gang nach Ilvesheim ist für mich die Möglichkeit, in einem anderen Umfeld eine erste Mannschaft zu trainieren.
Torsten, du übernimmst als Cheftrainer eine Mannschaft, die über viele Jahre von Uwe Gross geprägt wurde. Was möchtest du der Mannschaft mitgeben?
Torsten: Zunächst einmal möchte ich Uwe, den ich schon über Jahrzehnte kenne, danken. Er hat uns eine tolle Mannschaft hinterlassen.
Für mich sind der Teamgeist und die persönliche Entwicklung jedes einzelnen Spielers wichtig. Jeder muss für jeden einstehen. Daher habe ich zu Beginn der Vorbereitung mit jedem Spieler ein persönliches Gespräch geführt. Dabei ging es mir nicht nur um die bevorzugte Position, sondern vor allem auch um den Menschen. Diese Gespräche lieferten ein anderes Bild des Teams, als man vielleicht glaubt. Auf dieser Basis gilt es, den Teamgeist zu stärken und jeden Spieler individuell zu fördern.
Im Vordergrund steht für mich auch die Eigenverantwortung auf der Platte. Wie geht man mit einer neuen Situation um? Wie reagiert man auf ein neues Verhalten des Gegners? Wir Trainer können den roten Faden und Entscheidungsmöglichkeiten vorgeben – auf der Platte muss es aber die Mannschaft lösen und nicht wir.
Ihr habt mehrfach betont, wie wichtig euch das Teamgefüge ist. Was macht für euch eine Mannschaft aus, in der wirklich jeder für den anderen einsteht?
Torsten: Aus eigener Erfahrung als Spieler und Trainer weiß ich, dass nach außen immer der tolle Zusammenhalt in einer Mannschaft gelobt und betont wird. In der Realität ist es oftmals anders. Von diesem Gedanken bin ich auch bei meinem Antritt in Ilvesheim ausgegangen. Was sich aber gezeigt hat, war genau das Gegenteil meiner Erwartungen.
Die Mannschaft spielt quasi schon seit der Jugend zusammen und verbringt auch privat viel Zeit miteinander. Man kann hier wirklich von einem eingeschworenen Team sprechen. Die Frage ist jedoch, ob Harmonie im Team die beste Leistung fördert oder ob es ab und an genau das Gegenteil bewirkt. Für mich ist eines klar: Nur auf Friede, Freude, Eierkuchen werde ich nicht setzen.
Gordon: Aus meiner aktiven Laufbahn haben mich zwei Trainer besonders geprägt: Adam Frohn und Olgerts Lazdins. Unter Letzterem war es als Spieler nicht immer einfach, aber er hat aus vielen Einzelnen ein Team geformt – mit dem Ergebnis Aufstieg.
Aus den ersten Treffen beim Grillen und der Vorbereitung wurde schnell klar: Wir übernehmen ein Team. Aber auch hier gibt es noch Potenzial im Teamgefüge, sodass es, wenn es mal nicht rund läuft, nicht gleich kracht.
Wie soll der Handball aussehen, den ihr in Ilvesheim spielen wollt? Was ist euch auf dem Spielfeld besonders wichtig?
Torsten: Das Zauberwort heißt Disziplin. Wir müssen es schaffen, uns an unsere Vorgaben zu halten und diese umzusetzen. Sobald ein Spieler etwas anderes macht, zerbricht das Gefüge.
Wir können und dürfen uns nicht auf Zufälle verlassen, sondern müssen das Heft in die Hand nehmen und jedem Gegner unser Spiel aufdrängen – und nicht umgekehrt.
Zum Zeitpunkt des Interviews liegt ein Großteil der Vorbereitung hinter euch. Was waren eure Schwerpunkte und was hat euch besonders positiv überrascht?
Torsten: Ganz klar: Ausdauer, Ballsicherheit und Konzeption. Überrascht und gleichzeitig begeistert war und bin ich von der Leistungsbereitschaft jedes einzelnen Spielers. Was die Jungs in der wirklich sehr anspruchsvollen Vorbereitung geleistet haben, war außergewöhnlich. Damit hätte ich so nicht gerechnet.
Einiges an Arbeit liegt noch im Bereich Konzeption und individuellem Verhalten vor uns. Welche Möglichkeiten gibt es, wenn ein Spielzug nicht so läuft wie gedacht?
Gordon: In den letzten Jahren haben wir den ersten Fokus auf die Ausdauer und dann auf taktische Einheiten gelegt. Das Konzept mussten wir hier etwas anpassen, da wir in den Ferien keine Halle hatten. Positiv überrascht hat mich, dass sich die Spieler bedanken, nachdem wir sie gequält haben. Gibt es ein schöneres Feedback?
Wenn ihr am Ende der Saison zurückblickt: Was müsste passiert sein, damit ihr sagt: „Das war eine richtig gute erste Saison in Ilvesheim“?
Torsten: Wenn wir zum einen unter den Top 3 in der Tabelle stehen und zum anderen die Weiterentwicklung der Mannschaft sicht- und fühlbar ist. Unsere Fans dürfen sich auf ein anderes Team freuen. Es wird ersichtlich sein, dass die Mannschaft ein neues Konzept spielt und anders auftritt.
Die Umstellung benötigt noch Zeit und Geduld. Wir dürfen nicht so vermessen sein und glauben, dass von Beginn an alles so läuft, wie wir uns das wünschen. Gerade in solchen Momenten benötigen wir die Unterstützung und Rückendeckung unserer Fans.
Gordon: Für mich persönlich ist es eine gute Saison, wenn wir im Laufe der Runde die Langzeitverletzten wieder einbauen und sportlich Erfolg haben. Der Erfolg kommt zwar nicht von alleine, aber wir werden zusammen mit der Mannschaft hart arbeiten, damit wir eine ordentliche Steigerung der Platzierung im Vergleich zu den Vorjahren erreichen.
Wie Torsten schon gesagt hat, bedarf es etwas Zeit für die Umstellung und der Unterstützung der Fans – vor allem vom Fanclub Time-Out.
Zum Abschluss mit einem Augenzwinkern eine letzte wichtige Frage: Wer von euch beiden hat eigentlich häufiger das letzte Wort – Cheftrainer Torsten oder Co-Trainer Gordon?
Torsten: Ganz klar ich…
Gordon: Der Klügere gibt nach – aber nicht immer.
Vielen Dank euch beiden und viel Erfolg für die Handballsaison!