Für die Familie, für Freunde – und für den Ilvesheimer Handball
Wenn irgendwo bei der SpVgg Ilvesheim Hilfe gebraucht wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Michael Kirchknopf längst da ist. Vielleicht organisiert er gerade Sponsoren, begrüßt Gäste beim Neckar-Cup, diskutiert mit alten Weggefährten über Handball oder plant schon das nächste Fest im Hof. Stillstehen war noch nie seine Stärke. Am 29. Juni feiert das Ehrenmitglied der SpVgg seinen 70. Geburtstag – unmittelbar nach „seinem“ Turnier. Und wer Michael kennt, weiß: So ganz ohne Handball wäre ein solcher Geburtstag ohnehin kaum vorstellbar.
Ehrgeiz zwischen Großfeld und Bundesliga-Niveau
Mit dem Handball begann für Michael Kirchknopf alles schon in jungen Jahren – noch auf dem Großfeld. Dass er „gar nicht mal so schlecht“ gewesen sei, hört man rund um Ilvesheim bis heute öfter. Als Torhüter habe er es allerdings auch leichter gehabt, wird augenzwinkernd ergänzt. Talent und Ehrgeiz führten ihn schließlich nach Leutershausen. Durch den Wechsel kam er zur Sportkompanie nach Käfertal und konnte während seiner Bundeswehrzeit als Heimschläfer in der Region bleiben. Mit seiner Mannschaft wurde er sogar Deutscher Vizemeister. Doch trotz aller sportlichen Möglichkeiten blieb für ihn eines immer wichtiger als die große Karriere: Kameradschaft. Also kehrte er zurück nach Ilvesheim – zu seinem Verein, zu seinen Leuten. Wer mit Michael auf oder neben dem Feld zu tun hatte, erinnert sich bis heute an seinen enormen Ehrgeiz. Insgesamt durfte er zwölf Meisterschaften feiern, als größten sportlichen Erfolg bezeichnet er selbst aber den Aufstieg in die Landesliga. Niederlagen konnte er nur schwer akzeptieren. Nach verlorenen Spielen war die Stimmung entsprechend. Hart zu sich selbst, manchmal auch zu anderen – aber immer mit voller Leidenschaft für den Sport.
„Unverzichtbarer Teil“ der Handballabteilung
Seit Jahrzehnten gehört Michael Kirchknopf zu den Menschen, ohne die die Handballabteilung der SpVgg Ilvesheim kaum vorstellbar wäre. Gemeinsam mit Holger Spies übernahm er von 2003 bis 2005 Verantwortung als Abteilungsleiter. Er war Torwarttrainer und seit vielen Jahren kümmert er sich zudem um das Sponsoring, pflegt Kontakte und ist nicht nur in der Handballwelt rund um Mannheim bestens vernetzt. Dabei stand Michael nie gerne im Mittelpunkt. Viel lieber organisiert er im Hintergrund, knüpft Kontakte, unterstützt, vermittelt und packt dort an, wo Hilfe gebraucht wird. Für viele in der Abteilung ist er deshalb längst ein unverzichtbarer Teil der Handballfamilie geworden. Besonders wichtig ist ihm bis heute die Kameradschaft und das generationsübergreifende Miteinander im Verein. Dass junge Spieler genauso selbstverständlich zum Fest in seinen Hof kommen wie langjährige Weggefährten, erfüllt ihn mit großer Freude. Vielleicht auch, weil er diese Gemeinschaft schon selbst in jungen Jahren erlebt hat – damals, als die Älteren den Jungen nach dem Spiel auch mal ein Bier bezahlt haben.
Der Neckar-Cup als Herzensprojekt
Besonders eng verbunden ist Michael Kirchknopf natürlich mit dem Neckar-Cup – dem Aushängeschild der Ilvesheimer Handballer. Als Gründungsmitglied begleitet er das Turnier seit der ersten Ausgabe und war seitdem Jahr für Jahr mittendrin statt nur dabei. Nicht nur Michael ist Mitglied des Orga-Teams. Auch seine Frau Regina, sowie beide Töchter Christina und Claudia tragen innerhalb des Teams Verantwortung für verschiedene Bereiche. Als er noch berufstätig war, kostete ihn das Turnier regelmäßig Urlaubstage. Für Michael war das allerdings nie eine Frage. Der Neckar-Cup ist für ihn weit mehr als nur ein Handballturnier – er ist Treffpunkt, Gemeinschaft und Herzensangelegenheit zugleich. Und wer glaubt, Michael stehe dort „nur“ beim Aufbau oder unterstütze „seine“ Mädels am Kuchenstand, kennt ihn schlecht. Gerade wenn es um neue Ideen geht, ist er oft ganz vorne mit dabei. Ob echter Rollrasen als Lounge zwischen Bierwagen und Barzelt oder eine riesige Leinwand samt Kran für die Übertragung einer Fußball-WM – Michael war offen für verrückte Ideen und meistens auch direkt an deren Umsetzung beteiligt. Schließlich, so könnte man augenzwinkernd sagen, ließ sich dabei auch das Sponsoring perfekt in Szene setzen. Dass die SpVgg Ilvesheim mit einer vergleichsweise kleinen Gemeinde und Handballabteilung heute ein Turnier mit rund 160 bis 170 Mannschaften auf die Beine stellt, erfüllt ihn mit besonderem Stolz. Und jeder im Verein weiß: Menschen wie Michael Kirchknopf haben großen Anteil daran, dass aus einer Idee über viele Jahre hinweg eine echte Institution geworden ist.
Trainer, Vater – und manchmal zu ehrgeizig
Auch als Torwarttrainer der Damenmannschaft hinterließ Michael seine Spuren. Besonders spannend wurde es natürlich, wenn Tochter Christina selbst im Tor stand. Vater, Tochter, Trainer – und Mutter Regina (manchmal) mittendrin. Nicht immer einfach, kann man sich vorstellen. Besonders stolz ist er bis heute auf die drei Meisterschaften, die beide gemeinsam feiern durften – Christina im Tor, er als Torwarttrainer. Dass Spiele dabei manchmal auch zuhause noch nachwirkten, erzählt Michael heute mit einem Schmunzeln selbst: „Da kam es schon mal vor, dass wir von samstags bis mittwochs nicht mehr miteinander geredet haben.“ Christina erinnert sich ebenfalls gut an die gemeinsame Zeit: „Glaubt mir, als Tochter und Torfrau hat man es nicht einfach, wenn der eigene Papa der Torwarttrainer der Mannschaft ist.“ Und nicht nur sie bekam im Training wie ihre Mitspielerinnen auch mal deutliche Ansagen zu hören: „Schade gibt’s nicht, das war scheiße!“ Locker bleiben konnte Michael bei Spielen ohnehin selten. Doch wenn nach einem Sieg die Spielerinnen jubelnd auf ihn zustürmten, war der Stolz groß. Überhaupt ist er bis heute stolz auf „seinen“ Verein und darauf, was dort generationenübergreifend geleistet wird.
Familienmensch mit großem Herzen
So sehr der Handball sein Leben geprägt hat – seine Familie stand immer an erster Stelle. Für Ehefrau Regina bedeutete das allerdings auch, oft zurückzustecken und ihm den Rücken freizuhalten. Für Michael ist dabei klar verteilt, wer zuhause eigentlich das Sagen hat: „Chef ist Regina – sie hält alles zusammen.“ Gleichzeitig beschreibt ihn die Familie als aufmerksam und fürsorglich. Einer, der seiner Frau die Wünsche von den Lippen abliest, regelmäßig Blumen mitbringt und seine Zuneigung eher durch Taten als große Worte zeigt. Auch für seine Kinder Claudia, Christina und Michael junior war er immer verlässlicher Rückhalt. Mit seinem Sohn wurde sogar nicht nur der Name, sondern auch ein Stück Familientradition weitergegeben. Auch wenn der Junior bis zur C-Jugend lieber Fussball spielte. Heute versucht er als Großvater vieles nachzuholen, was früher durch Arbeit und Vereinsleben manchmal zu kurz kam. Mit seinen vier Enkeln ist er ständig unterwegs, zeigt ihnen den Hafen, Baustellen oder Höfe in Ladenburg – Hauptsache gemeinsam unterwegs. Was ihm heute am wichtigsten ist? Darauf muss Michael nicht lange überlegen: „Wenn meine Enkelkinder lachend über den Hof auf mich zugerannt kommen.“ Regelmäßig besucht er zudem die Familie im Schwäbischen und hält engen Kontakt. Familie bedeutet für ihn Nähe und ganz besonders Zusammenhalt.
Rastlos im besten Sinne
Wer Michael kennt, weiß: Ruhestand bedeutet bei ihm keineswegs Ruhe. Noch immer absolviert er regelmäßig Fahrradtouren, legt in diesem Jahr zum 39. Mal ohne Unterbrechung das Sportabzeichen ab und tut sich manchmal schwer damit zu akzeptieren, dass auch das Alter Grenzen setzt. Hinzu kommen Hof und Garten – sein großes Lebenswerk. Dort wird gebaut, gewerkelt und organisiert. Vieles macht er selbst: Holzsterne, Osterhasen oder Arbeiten rund ums Haus. Arbeit abzugeben fällt ihm schwer. Und wenn doch jemand hilft, wird genau hingeschaut. Freundschaften pflegt er selbstverständlich seit Jahrzehnten mit großer Loyalität. Ob zum Feiern, Reden oder Anpacken – auf Michael kann man sich verlassen.
Ein Leben für die Gemeinschaft – Danke Michael!
Neben der SpVgg engagiert sich Michael inzwischen auch im Komitee des Fischernachsens, der Größten Auszeichnung Ilvesheims. Selbst Ehrenmitglied beim SV Erlaheim ist er inzwischen – vermutlich der einzige Fußballverein, den der Handballer wirklich unterstützt. Und obwohl du immer wieder ankündigst, dass dieses Hoffest nun wirklich das letzte große Fest gewesen sein soll, glaubt dir das eigentlich niemand so richtig. Wahrscheinlich wirst du auch weiterhin organisieren, werkeln, feiern und mit anpacken – solange es eben geht. Und ehrlich gesagt: Genau so kennen und schätzen wir dich. Ein Leben ohne den Ilvesheimer Handball ist für dich kaum vorstellbar – und umgekehrt eigentlich genauso.
Lieber Michael, zum 70. Geburtstag wünschen dir deine Familie, Freunde und die gesamte Handballabteilung vor allem Gesundheit, viele schöne Momente mit Regina, euren Töchtern und Enkeln sowie noch zahlreiche gemeinsame Stunden bei der SpVgg Ilvesheim. Bleib vor allem genau der Mensch, den man in Ilvesheim und weit über die Handballwelt hinaus kennt: engagiert, herzlich, hilfsbereit – und manchmal eben auch ein klein wenig zu ehrgeizig.